Richtig essen bei Heuschnupfen I: Histamin

Wer von Euch leidet im Frühjahr und Sommer auch so wie ich? Nicht dass ich ein Jammerlappen wäre, aber die Nießattacken, die juckenden Augen und das furchtbar lästige Gaumenjucken in der Nacht sind wirklich lästig. Seit ich 4 Jahre alt bin, zähle ich zur Gruppe der Teilzeit-Allergiker. Gott sei Dank zeitlich begrenzt, aber deshalb nicht minder nervig. Seit ich mich dem Thema Ernährung verschrieben habe, forsche und experimentiere ich deshalb: kann man Heuschnupfen-Symptome mit der richtigen Ernährung mildern oder die Allergie sogar generell in den Griff bekommen?

Gleich einmal vorneweg: es gibt noch kein Patent-Rezept. Schon gleich gar keines, das bei jedem gleich gut funktioniert. Allerdings gibt es einige interessante Ansätze, die lohnenswert sind, um sie auszuprobieren.

Wie immer sehe ich den Schlüssel darin, zu verstehen, was hinter den Symptomen steckt. Übers Know-How zur erfolgreichen Umsetzung quasi.

Ein bisschen Heuschnupfen- und Histamintheorie

Also starten wir los. Bereit für eine kleine Tour durch den Allergiker Körper? Fangen wir gleich mal dort an, wo es uns trifft. Die Heuschnupfen-Symptome: Schnupfen, Augenjucken, Gaumenkratzen, evtl. sogar Asthma-Attacke.

Hervorgerufen werden sie durch eine verstärkte Histaminausschüttung. Nämlich dort, wo das (fälschlicherweise) alarmierte Immunsystem seine Anti-Körper hinschickt. Histamin ist ein so genanntes biogenes Amin. Es schlummert so lange in der Zelle bis es gebraucht wird. Während es sich im Chill-out Modus befindet, ist alles gut. Erst wenn es aktiviert wird, wird es lästig. Antikörper können das Histamin aktivieren, aber auch bestimmte Lebensmittel und vor allem auch Alkohol.

Histaminliberatoren verschlechtern Symptome

Erdbeeren sind Histaminliberatoren

Gegen die Histamin Ausschüttung durch die Antikörper können wir im Heuschnupfen-Akutfall mal nichts machen, aber wir können verhindern, dass ZUSÄTZLICH Histamin ausgeschüttet wird bzw. sich unnötig viel Histamin, das von außen kommt im Körper anhäuft. Das heißt wir können den Kontakt mit den Lebensmitteln vermeiden, die als so genannte Histaminliberatoren fungieren. Dazu zählen u.a. Erdbeeren (bei mir ganz schlimm), Tomaten, Kiwi, Zitrusfrüchte, Ananas, Kakao (leider auch die dunkle Schoki), Cashewkerne und einige andere Nüsse. Auch Alkohol unterstützt diesen Prozess negativ, allen voran Rotwein.  Ganz im Ernst: wenn ich im Sommer abends Rotwein trinke, dazu Erdbeeren und dunkle Schoko nasche (eigentlich lauter gesunde Sachen !), dann kann ich die Nacht vergessen. Bin ich dagegen konsequent, passt die Nacht perfekt.

Falls Ihr auf Alkohol nicht verzichten wollt, könnt Ihr junge Weißweine oder untergärige Biere ausprobieren. Die funktionieren in der Regel etwas besser. Gin und Wodka haben übrigens so gut wie keine Histaminwirkung. Nicht, dass ich zum Alkoholgenuss aufrufen würde, aber diesen Tipp möchte ich Euch einfach nicht vorenthalten… (Bitte immer an die negativen Seiten von Alkohol denken!!)

Hier habe ich für Euch ein ganz vernünftige Auflistung gefunden, welche Lebensmittel für Euch kritisch werden könnten. Diese Liste richtet sich zwar an Personen mit einer Histaminintoleranz, sie kann jedoch auch für Allergiker eine ganz gute Richtschnur darstellen. Allerdings darf man histaminhaltige Lebensmittel nicht mit histaminfreisetzenden Lebensmitteln verwechseln:

Histaminhaltige Lebensmittel

alter Käse enthält viel Histamin

gereifter Käse enthält viel Histamin

Wie ist das nun mit Lebensmitteln, die an sich schon reich an Histamin sind, wie z.B. alte Käsesorten (Parmesan!), Fischkonserven (Thunfisch!), geräucherte Fleisch- und Fischprodukte oder stark fermentierte Sachen? Hier wird es interessant. Denn unser Körper hat eigentlich schon im Darm ein System eingebaut, das ein Zuviel an Histamin schon im Vorfeld abbauen kann. Das hierfür notwendige Schlüssel-Enzym nennt sich DAO (Diaminooxidase). Dieses DAO sorgt eigentlich dafür, dass das Nahrungs-Histamin gar nicht richtig an den Ort den Geschehens (Nase, Augen, Gaumen, etc.) kommen kann, weil es vorher schon abgebaut wird. Leider ist DAO oft überlastet, weil auch andere biogene Amine es brauchen. Manchmal kann es auch sein, dass DAO vom Körper gar nicht mehr richtig produziert wird (Dann sprechen wir von einer Histaminintoleranz!!). Das kann verschiedene Ursachen haben (z.B. eine vergangene Darminfektion, langfristig schlechte Ernährung, etc.). In diesem Fall verursachen histaminhaltige Speisen eine Reihe von unspezifischer Beschwerden (die reichen von Blähungen/Durchfall bis hin zu Migräne, Müdigkeit, Gliederschmerzen, etc.).

Funktioniert DAO also nicht, kommt eine zusätzliche Ladung Histamin auf den Allergiker zu und verschlechtert den Zustand nochmals!

Umgekehrt heißt das aber auch: funktioniert bei mir als Allergiker DAO gut (und ist auch nicht überlastet), dann kann es durchaus sein, dass geräucherter Fisch & Co. keine weiteren Beschwerden macht. Klingt kompliziert oder? Ist es aber gar nicht. Denn in der Praxis empfehle ich Euch folgendes Vorgehen:

Schritt 1: Konsequentes Weglassen von den Histaminliberatoren (s.o.). Prüfen, ob eine Verbesserung eintritt. (Man merkt das in der Regel sehr schnell!)

Schritt 2: Falls Schritt 1 nichts hilft, auch histaminhaltige Lebensmittel weglassen oder stark einschränken.

Keine Sorge. Selbst Personen, die an Histaminintoleranz leiden, müssen in der Regel nicht ihr Leben lang auf die erwähnten Lebensmittel verzichten. Auch hier hat der Körper eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Meistens ist es so, dass nach einer gewissen Zeitspanne der Nahrungsmittelkarenz wieder eine (moderate) Verträglichkeit eintritt.

 

Histaminintoleranz und Heuschnupfen sind nicht ident!!

Das ist ganz wichtig zu verstehen. In beiden Fällen kommt es zu einer Histaminreaktion, allerdings aufgrund völlig unterschiedlicher Auslöser oder Gründe.

Allergie: Das Antikörper löst die Reaktion aus, die SOFORT erfolgt.

Intoleranz: DAO wirkt nicht und daher löst ein ZUVIEL an Histamin die Reaktion MIT VERZÖGERUNG (also erst nach dem ganzen Verdauungsvorgang) aus.

Oft geht natürlich eine Allergie mit einer Histaminintoleranz einher. Ein Histaminintoleranz eindeutig zu diagnostizieren ist übrigens gar nicht so einfach, auch wenn es inzwischen unterschiedliche Untersuchungsmethoden gibt. Daher ist es so wichtig, den eigenen Körper und dessen Reaktionen gut kennenzulernen, indem man verschiedene Nahrungsmittel austestet und reinfühlt, was einem gut tut und was nicht.

Histamin ist ein Schlüssel, um die Allergie-Symptome abzuschwächen

Histamin zu reduzieren kann also bei Heuschnupfen im Akutfall helfen, löst allerdings nicht die Allergieursache. Wer das Thema Allergie  an der Wurzel packen will, der muss noch mal ganz anders nachdenken. Da sind wir dann schnell einmal beim Thema Kuhmilch, Weizen und Zucker. Meine Erfahrungen hierzu gibt es dann in einem der nächsten Blogartikel!

Es gibt übrigens einige interessante Bücher zum Thema Histaminintoleranz, die dabei helfen auch das Thema Heuschnupfen zu verstehen. Eines davon heiß „Histaminintoleranz“ von Thilo Schleip Dieses Buch hat für mich auch als hilfreiche Quelle für diesen Artikel gedient.

 

 

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