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Virgin London Marathon 2011: from Heaven to Hell – oder doch umkehrt?

Endlich  geht es los. 5 Monate Training. Verletzungen, Therapie… jetzt will ich starten. Wir sind beim Blue Start, Sektor 2. Die Elite befindet sich nur einige Meter vor uns. Der Anfang ist relativ unspektakulär. Keine Fanfare (oder hab ich die in der Aufregung überhört?), keine Hymne und auch einen Startschuss kann ich nicht vernehmen. Christian und ich laufen gemeinsam. Die ersten Kilometer spürt man regelrecht den Sog der Masse. Bloß nicht überpacen, heißt es jetzt. Gar nicht so einfach, wenn rechts und links die Zuschauer schreien und jubeln. Und das wird von Meter zu Meter mehr. Spätestens jetzt mach sich unser Laufshirt mit Namen bezahlt. „Come on, Conny, you’re looking good, go on!“ brüllt einer ins Ohr. Gleich werde ich schneller, Christian pfeift mich zurück.

Während der ersten 20 Kilometer denke ich mir: „Das ist das geilste, was Du je in deinem Leben gemacht hast!“ Als wir um die Ecke biegen und die Tower Bridge vor uns auftaucht, stockt mir fast der Atem. Wow! Die Lautstärke der Fans ist ohrenbetäubend.

Eine koordinative Herausforderung sind die Trinkstationen. Nachdem man sich durch die Läufer an den Rand gekämpft hat, gilt es eine der Flaschen zu erwischen. Dann wieder ab in die Mitte um nicht über halbleere, am Boden liegende Flaschen zu stolpern. Den Verschluss öffnen, ein paar Schluck trinken und dann kommt das Beste. Man darf die Flasche einfach an den Rand schmeißen. Hat irgendwie was. Allerdings fliegen einem diese Wurfgeschoße ständig um die Ohren oder besser um die Beine.
Vier Multipower Gels habe ich eingesteckt. Beim erstenmal geht das Timing schon mal daneben, denn die erhoffte Trinkstation lässt auf sich warten. Mir rinnt das klebrige Gel über Gesicht und Hände. Mein erster Gedanke: super, und wenn jetzt ein Foto gemacht wird, sehe ich aus wie ein Kleinkind mit verschmiertem Mund. Man hat komische Gedanken während so eines Marathons.

Jede Menge Bands sorgen dafür, dass die Stimmung gut und der ipod überflüssig bleibt . Eine kurze Strecke lang kommen uns die weltbesten Läufer entgegen. Einen kurzen Blick auf den Sieger konnten wir gerade noch erhaschen.

Jetzt ist Halbzeit.

Ach ja, an dieser Stelle kann ich ja endlich meine geplante Zielzeit verraten: unter 4 Stunden hatte ich mir vorgenommen. Jetzt merke ich, es ist zwar anstrengend, aber es könnte sich ausgehen. Wir sind gut in der Zeit. In diesem Moment schlägt die Sonne zu. Es wird richtig heiß und ich bin froh über mein Kapperl. Meine Wunderbrille ist natürlich auch mit dabei. Danke Gerhard an dieser Stelle! Außerdem meldet sich mein Oberschenkel. Einen Marathon zu laufen ist wie ein Leben – es gibt Tiefs, aber darauf folgen auch wieder Hochs. Erst gestern noch gehört. Jetzt hilft mir diese Erkenntnis weiterzumachen.
Gleich durchlaufe ich die magischen 3 Stunden. Die große Unbekannte, da im Training ja nie länger gelaufen wird. Ich stelle fest: Ich laufe noch und es geht. In London werden die Distanzen ja in Meilen angegeben, und das ist gut. Only 7 miles left, klingt irgendwie motivierender als noch 11 km laufen zu müssen. Immerhin schon einstellig! Aber diese letzten Meilen haben es doch noch in sich. Keep on smiling, sage ich mir. Vor mir Big Ben und Westminster Abbey. Das Ziel ist beim Buckingham Palace., den sehe ich noch nicht…. Noch 800m (immer noch!), noch 600m (das müssten doch schon weniger sein!), 200m (immer noch kein Ziel zu sehen!). Ich biege um die Ecke und sehe vor mir das rote Tor (es will einfach nicht näher kommen) und schließlich: I am a Virgin London Marathon Finisher!
Ich habe zwar nicht das Glück wie Günter von Richard Branson persönlich begrüßt zu werden, aber das Gefühl ist ein Wahnsinn. Leider viel zu kurz, denn gleich warten emsige Mitarbeiter und schleusen einen durch das Finisher-Prozedere. Dann endlich: die Medaille. Juhu, ich hab’s geschafft!! Meine Zielzeit: 3 Stunden 51 Minuen. Das sind durchschnittlich 11 km/h. Und eines weiß ich heute schon: wenn ich mich nächste Woche aufs Laufband stelle und 11 km/h einstelle, kann ich mir nicht vorstellen dieses Tempo fast 4 Stunden durchzulaufen!

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Mein Weg zum Marathon: Stand up and pee

Wir laufen ins Startgelände ein. Alles super organisiert. Treffpunkt ist eine riesige Wiese in einem Londoner Außenbezirk. Noch mal an einem Riegel geknabbert und dann stellt sich die Frage, die jetzt alle interessiert. Wo sind die Toiletten? Mit meinen weiblichen Mitstreiterinnen mache ich mich auf die Suche und wir werden schnell fündig. Gehört habe ich ja schon viel über das Verrichten des ureigensten Bedürfnisses kurz vor dem Marathon. Alle Schamgefühle seien plötzlich dahin. Man hört von Frauen, die ihr Geschäft auf offener Wiese erledigen. Das ist zumindest in England nicht erlaubt.

Dixi Klo oder doch Zielrohr?

Am Eingang der „Toiletten“ drückt uns ein Mädchen einen weißen Karton in die Hand, der auf den ersten Blick aussieht wie ein Papierflieger. „Stand up and pee“ steht drauf. Das bräuchten wir da drin, meinte sie. Wir biegen um die Ecke und uns bleiben die Münder offen stehen. Vor uns zwanzig Frauen mit heruntergelassenen Hosen an ein Pissoir lehnend. Jetzt war klar, wofür der Papierflieger gut ist, eine Art Zielrohr für Frauen, die auf Mannes Spuren wandeln wollen.
Nein, wir nicht, beschließen wir. Da drüben gäbe es Dixiklos, meinte die Mitarbeiterin. Nichts wie hin, denn langsam drückt die Blase. Nach wenigen Minuten die Ernüchterung. Die Schlangen sind in etwa 500 Meter lang. Also doch auf’s Frauen-Urinal. Die Einzelheiten erspare ich der Leserschaft, doch so viel sei gesagt. Wenn man sich einmal überwunden hat, muss man zugeben, dass das Zielrohr für Mädels eine geniale Erfindung ist und super funktioniert. Doch jetzt schnell zurück, denn in wenigen Minuten beginnt der Start zum Virgin London Marathon 2011!

 

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Mein Weg zum Marathon: Startnummernausgabe

Da steh ich nun. Auf Europas größter Laufmesse. In meinen Händen meine Laufnummer: 57470. Eine schöne Zahl, finde ich. Ich bin eine von 4000 overseas runner. Gerade mal 7% Nicht-Engländer werden zum London Marathon zugelassen. Allein das macht stolz. Bei der Startnummernausgabe ein kurzer Schreck, meinte doch die nette ältere Dame: „You are a fast runner, so you will be at the blue start.“ A fast runner? Die muss sich irren, denke ich mir und im selben Augenblick fällt mir ein –auf Anraten vieler Marathonerfahrener- bei der Anmeldung meine geplante Zielzeit um ein paar Minuten nach unten geschummelt zu haben. „Yes“, sage ich selbstbewusst und nehme mein Startersackerl und die Instruktionen in Empfang. Jetzt wird es mir schon etwas mulmig. Meine Wade meldet sich. Ich glaube sie ist mit meinem Vorhaben immer noch nicht einverstanden.

Egal, rein ins Messegetümmel.

Charity ist in London angesagt. An jedem zweiten Stand geht es um eine gute Sache. Ich brauche noch einen Gürtel für meine Gels während des Laufs. Auswahl gibt es genug: Laufschuhe, -shirt, Unmengen an Sport-BHs, Riegel, Socken, usw. Die allgemeine Stimmung reißt mit. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass alle anderen der Sache sehr locker entgegen sehen, während ich bei jedem Schritt den Zustand meiner Beine prüfe. Die obligatorische Nudelparty ist dagegen enttäuschend. Einige einsame Läufer sitzen an den langen Tischen und hören sich einen Vortrag über die Dehydrierung beim Lauf an. Noch ein schneller Blick auf die Laufstrecke. Eine Grafik beschreibt wann welche Schmerzen und Beschwerden zu erwarten sind. Jetzt muss ich raus hier. Ich kann nur noch gute Gedanke gebrauchen. Die ipod Frage habe ich übrigens inzwischen für mich gelöst. Er ist daheim geblieben. Ich setze ganz auf die gute Stimmung der Londoner. Welcome London, ich komme!

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Mein Weg zum Marathon: iPod – ja oder nein?

Zu Beginn meines Trainings war ich mir sicher, dass es ohne passende Laufmusik nicht geht. Völlig  unverständlich für meinen Mann Christian, der musikalische Unterstützung beim Wettkampf kategorisch ablehnt. Zugegeben mit meiner Musikauswahl würde auch nicht jeder laufen. Aber ich mag’s oder besser gesagt, ich mochte es. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Auf den letzten Einheiten blieb der iPod daheim. Stimmt es eigentlich, dass es gar nicht erlaubt wäre? Ein Freund erzählte mir mal was von Musik-Doping und so. Und wie sähe dann der Doping-Test aus? Eine Analyse der gespielten Lieder? Vielleicht verlasse ich mich doch lieber auf die zahlreichen Bands, die London und die Marathonläufer zum grooven bringen….

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